Beikoststart nach Bedarf ohne Brei - Baby led weaning (BLW)

Meine Erfahrungen mit diesem etwas anderen Beikoststart oder warum es nicht immer Brei sein muss

Die meisten kennen den Beikoststart mit Brei. Auch ich glaubte, dass ein Baby ab einem bestimmten Lebensalter, zu bestimmten Tageszeiten eine bestimmte Menge Nahrung in breiiger Form zu sich nehmen muss.

 

Bei der Beschäftigung mit dem Thema Beikost stieß ich zum ersten Mal auf den Begriff Beikost nach Bedarf, ohne Brei und hörte etwas von Fingerfood. Es gibt also verschiedene Wege, um mit Beikost zu beginnen:  pürierte Nahrung (Brei), Fingerfood oder auch ein Mix aus beidem. Für jedes Kind und seine Familie kann ein anderer Weg der richtige sein. 

In meinem Beitrag „Beikoststart – wie dein Baby entspannt essen lernt“ erfährst du wichtige grundlegende Tipps – sowohl für den Beikoststart mit als auch ohne Brei: Wann, wie und wo dein Baby am besten entspannt essen lernen kann, welche Lebensmittel für den Beikoststart geeignet bzw. ungeeignet sind und was du dafür vorbereiten kannst. 

Ich berichte dir hier von unserem Weg mit Beikost nach Bedarf ohne Brei. Dieser Weg fühlte sich für mich von Anfang an intuitiv richtig an und auch meine Kinder kamen damit super zurecht.  Mit dieser Methode kann dein Baby neue Lebensmittel allmählich, natürlich, individuell, selbstbestimmt und bedürfnisorientiert kennenlernen.

Vorab noch ein Hinweis: Ich bin weder Ärztin noch Ernährungsberaterin. Ich gebe hier meine Erfahrung und mein Wissen weiter. Alle Empfehlungen betreffen gesunde und reif geborene Babys. Bei  Besonderheiten, Fragen oder Zweifeln wende dich bitte an deine Hebamme oder deinen Kinderarzt. Du kennst dein Baby am besten und nur du kannst daher den für euch passenden Weg finden.

Was bedeutet Beikost nach Bedarf – ohne Brei?

Beikost nach Bedarf stammt aus den USA mit dem Begriff „Baby led weaning“ und ist eine noch relativ neue Form der Beikosteinführung. Der englische Begriff bezeichnet den vom Baby ausgehenden Beginn des Abstillens (weaning) und seiner selbstgesteuerten, aktiven Teilnahme am Familientisch.

Es geht um die Entdeckung fester Nahrung durch dein Kind selbst – ohne Füttern und ohne Brei. Das Baby sitzt zusammen mit der Familie am Tisch und nimmt sich selbst von dem, was angeboten wird – zuerst mit den Fingern, später mit Besteck.

Warum kein Brei?

Fein pürierte Beikost war und ist seit vielen Jahrzehnten die erste Wahl bei der Beikosteinführung. Dies ist natürlich auch weiterhin okay. Tatsächlich kommen viele Kinder mit der Breikost nicht zurecht und fordern mehr Eigenständigkeit. Sie möchten mitmachen oder selbst machen und sich ihr Essen selbst aussuchen. Dies zeigt sich oft, indem sie nach dem Löffel oder in das Essen greifen.

Vorteile von breifreier Beikost nach Bedarf für dein Baby:

  • Die vermischte Nahrung des Breis macht es deinem Kind unmöglich zu entscheiden, was es essen möchte. Lehnt es einen Brei ab, weisst du nicht, welche Komponente deinem Kind daran nicht geschmeckt hat.
  • Das Füttern lässt Sättigungsmerkmale deines Kindes schwerer erkennen. Erfahrungsgemäß wird der Löffel länger zum Mund geführt, auch wenn das Kind dem Essen keine Aufmerksamkeit mehr schenkt.
  • Breiige Nahrung wird häufig vom Löffel geschlürft und eingesogen. Das Training der Zunge und des Kiefers bleiben aus. Beim Löffeln wird der Würgereflex, der in der Zungenmitte beginnt, leicht übergangen. Bei stückiger Nahrung lernt der gesamte Mundraum mit der neuen Konsistenz umzugehen.
  • Die Eigenständigkeit und das Selbstvertrauen deines Babys werden gefördert, im Sinne von „Ich kann es selbst“.
  • Beikost nach Bedarf schätzt, achtet und respektiert die natürlichen Bedürfnissen eines Babys.
  • Es ist ein entspannter Beikoststart sowohl für die Eltern als auch für das Baby – abgesehen vom Kleckern, was jedoch auch mit Brei vorkommt. Da dem Baby vertraut wird und es sich (wie alle anderen am Tisch) selbst bedient und nimmt, was es gerade braucht, können die Eltern in der Zeit selbst essen.

Ab wann ist dein Baby bereit für breifreie Kost?

Wenn du bei deinem Baby die allgemeinen Beikost-Reifezeichen wie beim Beikoststart mit Brei beobachten kannst, ist es in der Regel auch bereit für Fingerfood. Ein gesundes Baby ist etwa um den 6. Monat herum in der Lage, die Sache im wahrsten Sinne selbst in die Hand zu nehmen und sich zu füttern. Man muss ihm nur die Gelegenheit dazu geben. 

Mit Beginn des siebten Lebensmonats solltest du deinem Kind Beikost anbieten. Die Entscheidung, die angebotene Beikost zu probieren, bleibt bei deinem Kind. Babys wissen intuitiv selbst am besten, wann sie bereit für festere Nahrung sind. Dies ist von Kind zu Kind individuell sehr verschieden. Hauptnahrungsquelle und Lieferant aller wichtigen Nährstoffe bleibt im ersten Lebensjahr die Muttermilch oder Muttermilchersatznahrung (Pre-Nahrung) nach Bedarf!

Muttermilch bietet dabei den besten Schutz, um Magen und Darm an Neues zu gewöhnen. Daher wird empfohlen, Beikost unter dem Schutz des Stillens einzuführen. Solange bis eine Vielfalt an Nahrungsmitteln unter diesem Schutz mit dem kindlichen Immunsystem bekannt gemacht und toleriert worden sind. Dies gilt mindestens bis zum 1. Geburtstag.

Lernen am Familientisch

Bei Beikost nach Bedarf nimmt dein Baby ab Beginn seiner Beikostreife regelmäßig an den Mahlzeiten der Familie teil. Kinder lernen am besten durch Nachahmung. Bei den Mahlzeiten am Familientisch wird die Motorik, Hand-Augen-Koordination und das Kauen geübt. Es gibt kein gefüttert werden, sondern ein selbstständiges Erkunden und Entdecken von neuen Geschmacksrichtungen, Farbe, Konsistenz und Geruch. Dies schenkt deinem Baby Selbstvertrauen, macht Spaß und Lust auf gesundes Essen. 

Muss ich für mein Baby extra kochen?

Nein. Es wird keine gesondertes Essen für dein Baby zubereitet, sondern es entscheidet und is(s)t selbstständig, was und wieviel es von den angebotenen Lebensmitteln vom Familientisch nimmt. Dies gibt deinem Baby die Möglichkeit, individuell und entsprechend seines Entwicklungsstandes mit allen Sinnen und gemeinsam mit der Familie die Welt des Essens kennenzulernen. 

Um Zeit und Geld zu sparen, kannst du gleich für die ganze Familie kochen. Vor dem Würzen nimmst du einfach einen Teil des Essens für dein Baby beiseite. Das Geschmacksempfinden deines Babys ist noch sehr viel empfindlicher als unseres. Jeden neuen Geschmack nimmt es sehr intensiv wahr. Was für unseren Geschmack fad schmeckt, nimmt dein Baby sehr geschmacksintensiv wahr. Deshalb sollte es die Lebensmittel ungewürzt essen. Wenn du die Lebensmittel möglichst nur dämpfst bzw. dünstest, bleiben wichtige Nährstoffe und Vitamine der Lebensmittel sowie der natürliche Geschmack erhalten.

Der Beikoststart unserer Kinder war für uns Anlass, über unsere eigenen Ernährungsgewohnheiten nachzudenken. Für unsere Gesundheit und um unseren Kindern möglichst gute Essensvorbilder zu sein, haben wir diese etwas angepasst. Da sich die Kinder selbst auswählen, was sie essen möchten, standen dadurch auf dem Familienesstisch (fast) nur Lebensmittel, die auch für die Kinder geeignet sind. Dies macht das Essen entspannter, da Konflikte im Fall der Auswahl eines ungeeigneten Erwachsenen-Lebensmittels von vorn herein vermieden werden.

Mit dem Essen spielt man nicht, oder?! - wieviel dein Baby anfangs isst

Lass dich nicht davon verunsichern, wie wenig dein Kind zunächst von der festen Nahrung probiert und wirklich schluckt. Es geht zunächst um das Kennenlernen der Lebensmittel. Das Wenigste davon wird anfangs im Magen landen. Es ist ein langsames Herantasten an neue Konsistenzen in Hand und Mund, an zu entdeckende Geschmacksvarianten, die heute abgelehnt und morgen geliebt werden können. Es geht um das Spüren von großem und kleinem Hunger. Und es geht deinem Kind -sehr viel sogar- ums Spielen! Das ist in Ordnung. Das ist seine natürliche Art, Neues mit allen Sinnen zu erkunden und kennenzulernen.

Wie beim Stillen nach Bedarf, gilt auch Essen nach Bedarf. Dein Kind weiß intuitiv sehr gut, was es gerade braucht. Du bestimmst, welche Lebensmittel auf den Tisch kommen. Dein Kind bestimmt, was und wieviel es davon essen möchte. Dein Baby steuert, wieviel Still-/ Milchmahlzeiten es parallel dazu noch braucht. Diese bleiben im ersten Lebensjahr weiterhin die Hauptnahrungsquelle für dein Baby. So gewöhnt sich dein Kind allmählich nach deinem Vorbild an die neue Nahrung.

Lass deinem Kind Zeit, selbstwirksam zu werden und vertraue ihm. Du wirst mit einem fröhlichen Esser belohnt. 

Fingerfood und Kleckerei

Fingerfood ist Essen, dass dein Baby selbst mit den Fingern in den Mund stecken kann. Damit kann dein Baby jedes einzelne Lebensmittel kennenlernen und ausprobieren. Dies ist begreifen mit allen Sinnen: z.B. Zwieback gibt einen Ton von sich, wenn er zerbrochen wird, Brot ist krümelig, Banane schmierig, Gurke hart. Essen ist Sinneserfahrung und fördert die Entwicklung deines Babys. Deshalb sind die Essenszeiten eher Spielzeiten. Dies kann anfangs einige Kleckerei bedeuten. Da dein Baby jedoch so schnell wie möglich wie die Großen essen möchte, ist dies eine vorübergehende Phase. Um das Säubern zu erleichtern, kannst du Zeitung oder eine abwischbare Unterlage unter den Stuhl deines Babys legen und ihm ein Ärmellätzchen anziehen oder es ohne Kleidung essen lassen.

Unsere Erfahrungen mit den ersten Essensversuchen

Meine Kinder zeigten erst etwa ab dem 8. Monat Interesse an festerer Nahrung. Dies zeigten sie, indem sie sich am Familienesstisch nach Lebensmitteln auf dem Tisch ausstreckten. Anfangs lutschten sie an einem Brötchen oder nagten das weiche Innere einer Gurke ab oder zerdrückten gedünsteten Brokkoli. Dies funktioniert auch erstaunlicherweise hervorragend ohne Zähne (beide Kinder bekamen ihren ersten Zahn erst nach dem ersten Geburtstag.) Ihre Entdeckerfreude dabei zu beobachten, war einfach nur schön. Wer genießt heute schon noch sein Essen so ausgiebig und mit allen Sinnen? 

Das meiste wurde anfangs in den Händen zerdrückt, auf dem Tisch verschmiert und wieder aus dem Mund befördert. Erst nach einiger Zeit wanderten kleinere Teile der Nahrung in den Magen. Dies machte sich am deutlichsten bemerkbar, da die ersten „Bissen“ meist unverdaut in der Windel wiederzufinden waren. 

Meine Kinder hatten beim Essen ein Ärmellätzchen an und ein Tuch auf den Beinen. Das Essen boten wir entweder aus der Hand an oder legten es direkt auf den Tisch. Damit hielt sich die anschließende Reinigung in Grenzen: Lätzchen ausziehen, Kind und Tisch abwischen und Heruntergefallenes kurz mit einem Küchentuch aufsammeln. Fertig. Nach ein paar Wochen wurde die Kleckerei tatsächlich merklich weniger. Aber hier hat sicher jeder seine eigenen Grenzen, was er an Kleckerei aushalten kann.

Sicherheit am Familientisch und die Gefahr des Verschluckens

Einige Hinweise können dir helfen, damit dein Kind sicher und ohne die Gefahr des Verschluckens essen kann:

  • Babys haben einen weit vorn auf der Zunge gelegenen Würgereflex, der zu große Stückchen einfach wieder nach draußen befördert. Die Gefahr des Verschluckens ist sowohl bei Brei als auch bei Fingerfood gleich.
  • Alles, was dein Kind aus der Hand isst, sollte sich im Mund auflösen oder zerdrückt werden können. Harte Stücke können leichter verschluckt werden. Festere Lebensmittel wie z.B. Apfel kannst du ohne Schale ein paar Minuten dünsten. 
  • Lass dein Baby nur im Sitzen essen. Dies geht am besten auf deinem Schoß oder in einem geeigneten Hochstuhl, der Rücken und Beine stützt.
  • Lass niemanden, nur das Baby selbst, deinem Kind etwas in den Mund stecken.
  • Zwinge dein Kind niemals zum Essen!
  • Gib deinem Kind keine ungeeigneten Lebensmittel, wie z.B. Nüsse, Honig, Kuhmilch als Getränk.
  • Halbiere kleine Früchte wie Oliven, Kirschen und Weintrauben und entferne die Steine/ Kerne.
  • Lass dein Kind niemals mit Essen allein!
  • Erkläre anderen, die für dein Kind sorgen, wie Beikost nach Bedarf funktioniert.

Wie funktioniert Beikost nach Bedarf ohne Brei? - ein paar Praxistipps

  • Bereite das Essen als Fingerfood vor, indem du es in handliche Stücke oder längliche Streifen schneidest. Diese kann dein Baby leichter greifen und selbst in die Hand nehmen. Harte Lebensmittel wie z.B. Äpfel kannst du schälen und anfangs ein paar Minuten dünsten, so dass sie trotzdem noch greifbar sind. Dies verhindert Verschlucken.
  • Stille dein Baby vorher bzw. gib ihm seine Milchflasche, so dass es nicht zu hungrig ist und das Essen entspannt verlaufen kann. Außerdem sollte es deshalb zu dem Zeitpunkt ausgeruht sein. Das Essenlernen sollte nicht von Hunger motiviert sein, sondern von Neugierde.
  • Setze dein Baby auf deinen Schoß oder einen Hochstuhl, so dass es gut auf den Tisch schauen und die Arme frei bewegen und greifen kann.
  • Biete deinem Baby die vorbereiteten Lebensmittel auf einem kleinen rutschfesten Teller/ Tischset/ Tablett oder direkt aus deiner Hand an.
  • Biete deinem Baby zu jedem Essen stilles Wasser aus einem Becher ohne Trinkaufsatz an.
  • Lass dein Baby so oft wie möglich an den gemeinsamen Mahlzeiten der Familie teilnehmen und biete geeignetes Essen an, welche für die ganze Familie zubereitet wird.
  • Wichtig ist, dass die gemeinsamen Mahlzeiten Spaß machen. Dann wird sich dein Baby darauf freuen und gern neue Nahrungsmittel probieren.

Gibt es auch einen Zwischenweg?

Wenn du aus irgendwelchen Gründen unsicher mit Beikost nach Bedarf bist, aber deinem Baby trotzdem die Möglichkeit zum selbstständigen Essen geben möchtest, kannst du auch einen Zwischenweg gehen. Neben Brei zu den Hauptmahlzeiten, der dein Baby mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt, könntest du z.B. die Zwischenmahlzeiten als Fingerfood anbieten. Also ein Mix aus beidem. So erhält dein Baby auch die Möglichkeit, Lebensmittel mit allen Sinnen kennenlernen zu können.

Hast du Beikost ohne Brei mit deinem Baby schon ausprobiert oder denkst darüber nach? Berichte gern in den Kommentaren von deinen Erfahrungen oder stelle deine Fragen.

Über dieses oder andere Themen kannst du dich auch mit anderen Eltern in Eltern-Kind-Kursen austauschen,  wie z.B. PEKiP-Kursen.

Dieser Beitrag kann Affiliate-Links oder unbezahlte Produkt-Links enthalten. Die Affiliate-Links sind mit * gekennzeichnet. Ich erhalte eine kleine Provision, wenn du darüber einkaufst. Dies hilft die Kosten der Website zu decken. Ich empfehle nur Produkte, die ich wirklich selbst nutze oder genutzt habe und hilfreich finde.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.